
Wie nachhaltig und wirtschaftlich ist Streifenbodenbearbeitung im Zuckerrübenanbau? Dieser Frage widmet sich das Verbundprojekt DiP-ZAZIkI bei der ersten SugarBeet Expo am 9. und 10. September 2026. Mit dem Vortrag „Streifenbodenbearbeitung im Trockengebiet des südlichen Sachsen-Anhalts: Erste Ergebnisse zur Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit aus On-Farm-Versuchen“ stellte das Projekt am 10. September auf dem Freigelände aktuelle Ergebnisse aus Praxisversuchen vor.
Die erstmals stattfindende internationale Freilandmesse verbindet Praxis, Technik, Digitalisierung und Nachhaltigkeit im professionellen Zuckerrübenanbau. Damit bietet sie einen passenden Rahmen, um Forschungsergebnisse mit landwirtschaftlicher Praxis, Forschung und Industrie zu diskutieren.
Zuckerrübenanbau unter neuen Bedingungen
Trockenheit, Erosion und extreme Wetterereignisse stellen den Zuckerrübenanbau vor Herausforderungen. Wie können Anbausysteme damit besser umgehen und zugleich wirtschaftlich und ressourcenschonend bleiben? DiP-ZAZIkI untersucht diese Frage auf Praxisflächen in Sachsen-Anhalt.
Die Digitalisierung ist dabei kein Selbstzweck. Entscheidend ist, was sich aus den erhobenen Daten für die Praxis ableiten lässt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Daten für bessere Anbauentscheidungen nutzen lassen. Dafür verbindet das Projekt Drohnen- und Satellitenmonitoring sowie Künstliche Intelligenz (KI) mit Feldversuchen und Erfahrungen aus der landwirtschaftlichen Praxis.
Strip-Till: Den Boden gezielt bearbeiten
Bei der Streifenbodenbearbeitung, auch Strip-Till genannt, wird nur der Bereich gelockert, in dem später die Zuckerrüben ausgesät werden. Zwischen den Reihen bleibt der Boden unbearbeitet und durch Pflanzenreste geschützt. Das kann die Verdunstung verringern, die Bodenstruktur schonen und Erosion begrenzen. In Kombination mit Unterfußdüngung und Aussaat in einem Arbeitsgang können zudem Kraftstoff und Dünger eingespart werden.
Seit 2025 wird das Verfahren auf Praxisbetrieben in Hinsdorf und Pretzsch mit einer praxisüblichen Bodenbearbeitung verglichen. Untersucht werden unter anderem Pflanzenentwicklung, Bodenfeuchte, Stickstoffvorräte, Ertrag und Treibhausgasemissionen.
Erste Ergebnisse
Die bisherigen Ergebnisse zeigen eine höhere Bodenwasserverfügbarkeit in den Strip-Till-Varianten. Beim Ertrag konnten dagegen keine eindeutigen Unterschiede festgestellt werden. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung mehrjähriger Versuche, da die Wirkung eines Anbausystems von Standort, Wetter und Bewirtschaftung abhängt.
Daten erfassen, auswerten und in die Praxis bringen
Drohnen liefern dabei hochauflösende Informationen über Pflanzenbestände und Versuchsflächen. Diese Daten werden mit Satellitenaufnahmen und Messungen zu Bodenfeuchte, Stickstoff und Pflanzenentwicklung kombiniert. So entsteht ein umfassenderes Bild davon, wie die Pflanzen auf unterschiedliche Anbaubedingungen reagieren. Im Rahmen von Drohnennetzwerktreffen tauschen sich Forschende und Praxispartner zudem regelmäßig über neue Einsatzmöglichkeiten und Methoden der Datenerfassung und -auswertung aus. Drohnen- und Satellitendaten werden deshalb mit Messungen zu Bodenfeuchte, Stickstoff und Pflanzenentwicklung verknüpft. KI soll helfen, große Datenmengen auszuwerten und Zusammenhänge zu erkennen. Langfristig sollen daraus digitale Entscheidungshilfen für einen standortangepassten Zuckerrübenanbau entstehen.
Forschung direkt auf dem Feld
Wie Forschung und Praxis zusammenwirken, wurde auch im März 2026 bei zwei Feldbegehungen anlässlich der Aussaat sichtbar. In Sachsen-Anhalt wurden das Strip-Till-Verfahren und die eingesetzte Technik demonstriert und erste Projekterfahrungen diskutiert. Am Standort Reupzig wurde die Feldbegehung vom Institut für Zuckerrübenforschung gemeinsam mit Pfeifer & Langen organisiert.
Datengetriebene Anbausysteme entstehen nicht allein im Labor oder am Computer. Sie müssen sich unter realen Bedingungen bewähren und gemeinsam mit den Menschen weiterentwickelt werden, die sie später anwenden. DiP-ZAZIkI verbindet deshalb digitale Technologien mit On-Farm-Forschung und landwirtschaftlicher Praxis. Die ersten Ergebnisse zur Streifenbodenbearbeitung bringt das Projekt nun bei der SugarBeet Expo in den Austausch über die Zukunft des Zuckerrübenanbaus ein.
Projektlink DiP-ZAZIkI
Veröffentlichungen im Projekt siehe hier.